I

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Weil ich mehr sehen wollte, stand ich zwischen den Mädchen auf der Bank. Sie haben mir unaufgefordert Platz gemacht, trotzdem hat mich keine von ihnen wirklich wahrgenommen. Niemand hat etwas gesprochen - wozu auch. Während wir ruhig standen, stieg plötzlich stickiger roter Staub auf. Es war schön dem Wirbel zuzuschauen. Schwarze Augen, scheinbar ohne Pupillen waren in ständiger Bewegung, wie ferngesteuert. Zehn Minuten dauerte es, bis sie einzeln oder zu zweit den Platz verlassen haben.
Ich stieg ins Auto. Die Straße konnte man gerade noch sehen aber die Wohnblocks verbargen sich hinter diesigem hellem Dunst. Die Wolke stand direkt vor uns.
„Siehst du etwas?“
„Wovon redest du. Was meinst du?“
„Was ist da hinten, da draußen?“
„Ich kann nichts sehen. Es ist sehr hell.“
„Es ist sicher das Meer, das weiß ich - ich höre es rauschen. Ich muss unbedingt zum Meer, einmal im Jahr muss das sein. Mich verschlingt diese Helligkeit.“
„Ich sehe kein Meer, ich sehe gar nichts – es ist mir auch egal.“
Ich springe aus dem Auto. Dieses Rauschen - rundum ist es hell, sehr hell. Ich rieche das Meer und meine Haut fühlt sich samtig an. Ich laufe in dem diesigen Licht den Strand entlang, zwischen liegenden und sitzenden Menschen, die ins Nichts schauen. Würde ich dem Licht ganz folgen, würde ich sicher ins Wasser laufen. Es muss ganz nahe sein. Dieses grelle Licht wirkt wie eine warme Wand, die mich davon abhält, durchzulaufen. Niemand überschreitet diese Grenze und taucht in das helle Licht ein. Es ist warm und das Licht ist grell.